Ökonomen kritisieren CDU-Vorstoß gegen Recht auf Teilzeit

25. Januar 2026

Wirtschaft - aktuelle Fakten und Einordnung

Wirtschaft: Teilzeitrecht in Deutschland im Fokus

() – In der Debatte über eine Einschränkung des Rechts auf Teilzeit weist das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) darauf hin, dass ein erheblicher Teil der Arbeitnehmer nicht freiwillig reduziert arbeitet.

„Wenn alle Teilzeitbeschäftigten ihre Wünsche nach mehr Arbeitsstunden realisieren könnten, entspräche das 1,4 Millionen Vollzeitstellen“, sagte der IAB-Arbeitsmarktexperte Enzo Weber dem „Handelsblatt“ (Montagsausgabe).

Potenzial gebe es zudem unter denen, die bisher noch nicht über Aufstockung nachdenken: „So erhöht der Ausbau von Kinderbetreuung auch die gewünschten Arbeitszeiten. Wenn man die Rahmenbedingungen verbessert, geben sich Menschen also nicht mehr mit weniger zufrieden“, sagte Weber.

Nach den IAB-Daten wird die Teilzeitquote der Erwerbstätigen zwischen 15 und 64 in diesem Jahr „insgesamt über 40 Prozent liegen“, prognostiziert Weber. Erstmals hatte die Quote diesen Wert im Sommer 2025 überschritten. In den 1990er-Jahren lag sie noch bei gut 20 Prozent.

Den jüngsten Anstieg erklärt Weber mit mehreren Faktoren. Einerseits beteiligten sich immer mehr Frauen und Ältere am Arbeitsmarkt. Da dies aber oft in Teilzeit geschehe, steige die Teilzeitquote. Gleichzeitig „gehen in der Industrie Vollzeitstellen verloren“, was die Quote weiter erhöhe. Dazu komme, dass „die Präferenz für hohe Arbeitszeiten insgesamt etwas abnimmt“.

Der Vorstoß des CDU-Wirtschaftsflügels zum Recht auf Teilzeit stößt auch bei weiteren Ökonomen auf Kritik. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sagte der „Rheinischen Post“: „Eine Einschränkung des Rechtsanspruchs auf Teilzeit würde vielen Unternehmen und der deutschen Wirtschaft großen Schaden zufügen.“

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Viele Beschäftigte in Vollzeit wünschten sich eine reduzierte Arbeitszeit, so der Ökonom. Eine entsprechende Regelung würde daher „stark gegen die Wünsche vieler Deutscher gehen, dadurch die Beschäftigung tendenziell eher reduzieren als erhöhen und somit den Fachkräftemangel in weiter erhöhen. Die Konsequenz wird weniger Wachstum und Wohlstand und ein weiterer Anstieg der Insolvenzen von Unternehmen sein“, warnte Fratzscher.

Zuvor war bekannt geworden, dass der Arbeitnehmerflügel der CDU den Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränken will. Es soll ihn nur noch geben, wenn besondere Gründe vorliegen. Dazu zählt die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen und berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung.

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Zwei Frauen mit Kinderwagen (Archiv)

Vier Bürgerfragen. Klare Antworten.

Welche neuen Fakten, Entscheidungen oder Änderungen nennt der Artikel?

  • 1,4 Millionen Vollzeitstellen könnten entstehen, wenn Teilzeitkräfte ihre Arbeitsstunden erhöhen könnten.
  • Teilzeitquote der Erwerbstätigen zwischen 15 und 64 Jahren wird 2023 über 40 Prozent liegen.
  • CDU-Wirtschaftsflügel plant Einschränkung des Rechtsanspruchs auf Teilzeit auf spezielle Gründe.

Wen betrifft es und wie stark (Zielgruppen, Regionen, Zahlen, Fristen)?

  • Betroffene: Teilzeitbeschäftigte, Arbeitnehmer zwischen 15 und 64 Jahren
  • Region: Deutschland
  • Zahlen: 1,4 Millionen Vollzeitstellen, Teilzeitquote über 40% in 2025

Welche Gründe, Ursachen, Hintergründe oder Auslöser werden genannt?

  • Ein erheblicher Teil der Arbeitnehmer arbeitet nicht freiwillig in Teilzeit.
  • Der Anstieg der Teilzeitquote wird durch die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Arbeitnehmern sowie den Verlust von Vollzeitstellen in der Industrie verursacht.
  • Der Ausbau von Kinderbetreuung könnte dazu führen, dass mehr Menschen ihre Arbeitsstunden aufstocken möchten.

Was machen die Politik bzw. die Behörden jetzt konkret?

  • CDU-Wirtschaftsflügel will Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränken.
  • Anspruch soll nur bei besonderen Gründen gelten (z.B. Kindererziehung, Pflege, Weiterbildung).
  • Experten warnen vor negativen Auswirkungen auf Beschäftigung und Wirtschaft.

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