Wirtschaftsweiser erwartet dauerhaft hohe Spritpreise

9. April 2026

Wirtschaft - aktuelle Fakten und Einordnung

Wirtschaftliche Aussichten für Deutschland im Energiesektor

Wien () – Trotz der jüngsten Entspannung an den Ölmärkten erwartet der Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr, dass die Spritpreise in auch in den nächsten Monaten auf hohem Niveau bleiben werden.

„Tankstellenpreise von unter zwei Euro sind illusorisch“, sagte Felbermayr der „Welt“ (Donnerstagausgabe). Auch wenn sich die Lage im Nahen Osten weiter beruhige, müsse sich „das gesamte System erst in ein neues Gleichgewicht bewegen“.

Schiffe seien umdirigiert worden, hinzu kämen Unsicherheiten bei Versicherungsprämien und den Transitgebühren für Fahrten durch die Straße von Hormus. „Selbst im besten Fall werden uns diese Verwerfungen noch Monate beschäftigen“, sagte er. Für das Jahresende hält er einen Rohölpreis von rund 80 Dollar für plausibel. Die 60 Dollar, die es zu Jahresbeginn gab, seien dagegen „auf absehbare Zeit“ nicht realistisch.

Staatliche Entlastungen der Privathaushalte und der Wirtschaft hält Felbermayr derzeit nicht für zwingend. Er rät der Politik aber, Instrumente für einen neuen Preisschub vorzubereiten. Die Politik müsse sich jetzt überlegen, welche Lösungen tragfähig seien. „Eine Möglichkeit wäre, zusätzliche Umsatzsteuereinnahmen, die der Staat durch steigende Energiepreise erzielt, an die Bürger zurückzugeben. Der Staat sollte kein Krisengewinner sein“, sagte er.

Dass die schwarz-rote Koalition nicht wie andere Regierungen in Europa schon in den vergangenen Wochen ein Hilfsprogramm in Milliardenhöhe aufgelegt hat, begrüßte Felbermayr. „Es ist gut, nicht bei den ersten Verwerfungen sofort wieder eine Art wirtschaftspolitische Vollkasko zu versprechen“, sagte er. Dass man den ersten populistischen Reflexen widerstanden habe, sei ein gutes Zeichen.

Siehe auch:  Dax startet schwächer - Ölpreis sinkt deutlich

Felbermayr geht nicht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft 2026 schrumpft. „Vor allem nach dem Waffenstillstand sehe ich keine Rezession, wohl aber eine anhaltende Belastung der Wirtschaft“, sagte er. Die Wachstumsprognosen dürften sich um einige Zehntel nach unten verschieben. Das sei unangenehm, aber noch kein Einbruch.

Sorgen bereiten dem Ökonomen die leeren Gasspeicher, die erneut starken Preisdruck auslösen könnten. Wenn nun alle auf sinkende Preise warteten, würden die Speicher immer später gefüllt. „Irgendwann kommt der Punkt, an dem alle kaufen müssen. Solche panikartigen Käufe könnten die Preise im Herbst wieder ordentlich antreiben, auch wenn die akute Krise vor Ort gar nicht mehr da ist“, sagte Felbermayr.

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Tankstelle (Archiv)

Vier Bürgerfragen. Klare Antworten.

Welche neuen Fakten, Entscheidungen oder Änderungen nennt der Artikel?

  • Spritpreise in Deutschland bleiben auf hohem Niveau, Tankstellenpreise unter zwei Euro sind illusorisch.
  • Rohölpreis bis Jahresende plausibel bei rund 80 Dollar; 60 Dollar nicht realistisch.
  • Felbermayr sieht leere Gasspeicher als Risiko, das Preisdruck im Herbst auslösen könnte.

Wen betrifft es und wie stark (Zielgruppen, Regionen, Zahlen, Fristen)?

  • Betroffene: deutsche Verbraucher und Wirtschaft
  • Preisprognose: Spritpreise bleiben hoch, unter 2 Euro illusorisch, Rohölpreis von rund 80 Dollar zu Jahresende erwartet
  • Zeitrahmen: anhaltende Preise für Monate, Wachstumsprognosen für 2026 leicht nach unten, mögliche Preisdrucksituationen im Herbst

Welche Gründe, Ursachen, Hintergründe oder Auslöser werden genannt?

  • Erwartungen an hohe Spritpreise aufgrund des verlangsamten Anpassungsprozesses am Markt
  • Unsicherheiten bei Versicherungsprämien und Transitgebühren beeinflussen den Preis
  • Leere Gasspeicher können Preisdruck erzeugen und panikartige Käufe auslösen

Was machen die Politik bzw. die Behörden jetzt konkret?

  • Politik sollte Lösungen für langfristige Preisschübe vorbereiten.
  • Überlegungen anstellen, wie zusätzliche Umsatzsteuereinnahmen an Bürger zurückgegeben werden können.
  • Keine staatlichen Entlastungen für Haushalte und Wirtschaft als zwingend erachten.
Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH
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