Experten kritisieren hohe Retourenquote von Onlinehändlern

16. Dezember 2025

Wirtschaft - aktuelle Fakten und Einordnung

Wirtschaft: Retourenflut im Onlinehandel Deutschland

() – Experten werfen großen Onlinehändlern vor, nicht genug gegen die Flut von Rücksendungen zu unternehmen. „Retouren werden oft als teuer und schlecht dargestellt“, sagte Björn Asdecker von der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg dem „Spiegel“. Viele Händler täten so, als kämpften sie gegen Rücksendungen. Das sei jedoch „zumeist ein Feigenblatt“, der Versuch, sich ein grünes Image zu geben. Stattdessen seien „Rücksendungen längst Teil des Geschäftsmodells“. Das erkenne man daran, dass sich trotz aller Bekundungen des Handels nichts an den Retourenquoten geändert habe.

Kostenlose Retouren seien „ein mächtiges strategisches Schwert, um kleinere Konkurrenten aus dem Markt zu drängen, die sich ein solches Retourenmanagement gar nicht leisten können“, sagte der Wissenschaftler. Aus Asdeckers Sicht gäbe es nur ein wirksames Mittel gegen die Rücksendeflut: ein Gesetz, das Onlinehändler zwingt, ihre Kunden für Retouren zur Kasse zu bitten.

2025 wird die Zahl der Retourenpakete in mit etwa 550 Millionen voraussichtlich ein neues Allzeithoch erreichen. Damit sind die Deutschen Europameister im Zurückschicken von Bestellungen. Der Onlinehandel gelobt seit Jahren, die Flut der Rücksendungen einzudämmen. Künstliche Intelligenz und psychologische Tricks sollen Kunden dazu bringen, selektiver zu bestellen und weniger zu retournieren. Die Retourenquote liegt im Durchschnitt aller Kategorien in Deutschland stabil bei rund 24 Prozent.

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Die Industrie wehrt sich gegen den Vorwurf. „Wir versuchen, unseren Kunden zu helfen, von Anfang an das richtige Produkt zu bestellen“, sagte Rory Feldman, Retourenspezialist beim Onlinehändler Amazon. Hauptziel sei es, „Rücksendungen zu vermeiden“.

Auch der Modeversandhändler Zalando versichert, verantwortungsbewusst mit Retouren umzugehen. Nur zwei Prozent der Retouren könnten nicht mehr als neu verkauft werden, heißt es. Sie würden stattdessen als B-Ware in Outlets des Konzerns angeboten, an Großhändler weitergegeben oder gespendet. Nur in Ausnahmefällen landeten Rücksendungen im Recycling.

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Pakete in einem Späti (Archiv)

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Welche neuen Fakten, Entscheidungen oder Änderungen nennt der Artikel?

  • Experten kritisieren große Onlinehändler für unzureichende Maßnahmen gegen Rücksendungen.
  • Kostenlose Retouren dienen dazu, kleinere Konkurrenten aus dem Markt zu drängen.
  • Vorschlag: Gesetz, das Händler zwingt, Kunden Gebühren für Retouren zu berechnen.

Wen betrifft es und wie stark (Zielgruppen, Regionen, Zahlen, Fristen)?

  • betrifft große Onlinehändler, insbesondere Deutschland
  • Rücksendungszahlen voraussichtlich 550 Millionen Pakete in 2025
  • Retourenquote stabil bei rund 24 %

Welche Gründe, Ursachen, Hintergründe oder Auslöser werden genannt?

  • Große Onlinehändler zeigen unzureichende Maßnahmen gegen Rücksendungen.
  • Kostenlose Retouren ermöglichen es größeren Händlern, kleinere Konkurrenten auszuschließen.
  • Erwartung eines Anstiegs der Retourenpakete auf 550 Millionen bis 2025 in Deutschland.

Was machen die Politik bzw. die Behörden jetzt konkret?

  • Gesetz, das Onlinehändler verpflichtet, Kunden für Retouren zur Kasse zu bitten
  • Überprüfung von Retourenquoten und Maßnahmen zur Einhaltung
  • Anreize schaffen, damit Kunden selektiver bestellen und weniger retournieren
Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH