Charité kritisiert fehlende Notfall-Strategie im Gesundheitssystem
Politik - aktuelle Fakten und Einordnung
Gesundheitssystem in Deutschland: Krisenmanagement verbessern
Berlin () – Der Vorstandsvorsitzende der Charité-Universitätsmedizin Berlin, Heyo Kroemer, beklagt eine unzureichende Vorbereitung Deutschlands auf Krisenlagen.
Der Stromausfall in Berlin habe gezeigt, dass es im deutschen Gesundheitssystem eine belastbare Strategie für Notfallsituationen brauche – die aber gebe es nicht. Das sei kein Berliner Phänomen, sondern „indikativ für ein Gesamtproblem“, sagte der Charité-Chef am Montag dem TV-Sender „Welt“. In Skandinavien, Israel oder den USA gebe es eine Health-Security-Strategie mit einer vorausschauenden Planung, regelmäßigen Übungen und belastbaren Strukturen im Gesundheitssystem – in Deutschland nicht.
„Die Sicherheit des Gesundheitssystems, die funktionale Sicherheit, ist die sogenannte Health Security. Dafür gibt es in unserem umgebenden Ausland, auch in den USA und in Israel, definierte Systeme, wie das funktionieren kann. Was sie brauchen, sind Ressourcen, Fähigkeiten, Kapazitäten, um bei negativen äußeren Einflüssen ihr Gesundheitssystem aufrechtzuerhalten. Dafür gibt es explizite Mechanismen in anderen Ländern und explizite Systeme, die wir in dieser Form in Deutschland nicht haben. Es gibt keine nationale Health Security-Strategie wie in anderen Ländern.“
Wichtig wäre nach Kroemers Meinung vor allem eine bessere Vorbereitung der Bevölkerung und des medizinischen Personals: „Ich glaube, dass insgesamt im Bereich der Gesundheitssicherheit selbstverständlich die Bevölkerung ein erheblicher Teil ist, wenn sie letztendlich weiß, wie sie sich in einem solchen Fall zu verhalten hat. Die andere Seite, die auch zur Population gehört, sind die Menschen, die in den Krankenhäusern arbeiten. Sie müssen sich in solchen Fällen auch darauf verlassen können, dass ihre Arbeitskräfte in dem Krankenhaus verfügbar sind, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. Generell geht es darum, dass sie in einer Schadenslage, bei der möglicherweise auch viele Menschen zu Schaden kommen, in der Lage sind, die Funktionalität des Systems aufrechtzuerhalten und gleichzeitig aber auch die normale Bevölkerung weiter zu versorgen.“
Neben der klaren Zuteilung von Verantwortlichkeiten und belastbaren Strukturen brauche es auch eine vorausschauende Planung und regelmäßige Übungen, mahnte Charité-Chef Kroemer: „Meines Erachtens müssen wir uns mit dem System beschäftigen und sehr klar sagen: Wir haben eine antizipierte Großschadenslage. Wir wissen nie, wann die eintritt. Aber wir können sie annehmen – und wir können letztendlich üben, was in diesem Fall passiert und wer in einem solchen Fall welche Verantwortung übernimmt. So funktioniert das in anderen Ländern, dass bestimmten Krankenhäusern in einem solchen Fall bestimmte Aufgaben zugeordnet werden, die sie dann in diesem Fall erfüllen, aber um die dann erfüllen zu können, auch entsprechend vorher üben. Es ist ja völlig klar, dass ich das nicht dann machen kann, wenn es passiert und ich es vorher nie getan habe.“
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Charité (Archiv) |
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