Handwerkspräsident fordert Umdenken bei beruflicher Bildung

17. Mai 2026

Politik - aktuelle Fakten und Einordnung

Weiterbildung und Qualität im Handwerk in Berlin

() – Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Jörg Dittrich, fordert ein gesellschaftliches und politisches Umdenken bei der Bewertung beruflicher Bildung. „Wohlstand kann nicht nur über Abitur und Studium erreicht werden, sondern auch über berufliche Bildung“, sagte Dittrich den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Nötig sei „das klare politische Bekenntnis zur gleichwertigen Betrachtung von akademischer und beruflicher Bildung“. Dieses müsse auch rechtlich abgesichert werden. Deshalb fordere das Handwerk weiterhin ein Qualifikationsrahmengesetz. Zugleich mahnte Dittrich deutlich höhere Investitionen in die Bildungsstätten des Handwerks an. Der Sanierungsstau bei den Bildungszentren des Handwerks liege inzwischen bei mehr als vier Milliarden Euro. Die Förderung müsse verlässlich erhöht werden, wie es im Koalitionsvertrag vereinbart worden sei. „Denn wir stehen im Wettbewerb mit den Hightech-Hörsälen der Universitäten: Da können wir nicht mit einer Werkstatt antreten, die ausgestattet ist wie in den 70er-Jahren des vorherigen Jahrhunderts.“

Trotz des demografischen Wandels sieht Dittrich das Handwerk bei der Ausbildung auf einem vergleichsweise stabilen Kurs. Anders als in vielen anderen Wirtschaftsbereichen verzeichne das Handwerk seit drei Jahren leicht steigende Zahlen bei neuen Ausbildungsverträgen. „Vor allem die Berufe des sozialen Miteinanders und solche der Transformation entwickeln sich mittelfristig positiv“, sagte Dittrich. Beispielhaft nannte er Berufe wie Elektroniker, Dachdecker, Schornsteinfeger oder Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klima. „Insgesamt spricht der Trend jedoch für das Handwerk. Und immer noch gilt: Wer Sicherheit und Sinnstiftendes will, sollte ins Handwerk gehen“, so Dittrich.

Siehe auch:  EU-Parlament stimmt neuem EU-Klimazwischenziel für 2040 zu

Zugleich räumte der ZDH-Präsident ein, dass die Ausbildung weiter attraktiver werden müsse. „Selbstverständlich. Das sehe ich sportlich“, sagte Dittrich. Berufe veränderten sich ebenso wie die Erwartungen junger Menschen. „Deshalb muss man ständig daran arbeiten, das beste Ergebnis hinzubekommen. Das ist ein permanenter Wettbewerb.“

Scharfe Kritik übte Dittrich an Ausbildungsplatzumlagen, wie sie bereits in existieren und in Berlin geplant sind. Dabei sollen Betriebe zahlen, die nicht ausbilden. „Da geht mir der Bluthochdruck durch die Decke“, sagte Dittrich. Er kritisierte, dass damit auch Unternehmen belastet würden, die trotz Ausbildungsbereitschaft keine Bewerber fänden. Zugleich verwies Dittrich auf die hohe Ausbildungsleistung des Handwerks. „Etwa jede dritte Ausbildung bundesweit wird im Handwerk absolviert, knapp 30 Prozent, und das, wo das Handwerk etwas mehr als 12 Prozent aller Beschäftigten bundesweit hat“, sagte er. „Eine großartige überproportionale Leistung des Handwerks.“ Deshalb sei es aus seiner Sicht nicht nachvollziehbar, warum gerade das Handwerk zusätzlich belastet werden solle. „Das halte ich für völlig falsch und bin echt empört.“

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Umbauarbeiten im Bundestag (Archiv)

Vier Bürgerfragen. Klare Antworten.

Welche neuen Fakten, Entscheidungen oder Änderungen nennt der Artikel?

  • Jörg Dittrich fordert ein klares politisches Bekenntnis zur gleichwertigen Betrachtung von akademischer und beruflicher Bildung.
  • Der Sanierungsstau bei den Bildungszentren des Handwerks beträgt über vier Milliarden Euro.
  • Dittrich kritisiert Ausbildungsplatzumlagen wegen der Belastung ausbildungsbereiter Unternehmen ohne Bewerber.

Wen betrifft es und wie stark (Zielgruppen, Regionen, Zahlen, Fristen)?

  • Betroffen: ZDH, Handwerksbetriebe, junge Menschen
  • Regionen: Deutschland
  • Zahlen: Sanierungsstau bei Bildungszentren über 4 Milliarden Euro, ca. 30% der Ausbildungen im Handwerk, über 12% der Beschäftigten im Handwerk

Welche Gründe, Ursachen, Hintergründe oder Auslöser werden genannt?

  • Forderung nach gesellschaftlichem und politischem Umdenken zur beruflichen Bildung
  • Hoher Sanierungsstau bei Bildungsstätten des Handwerks, mehr als vier Milliarden Euro
  • Anstieg neuer Ausbildungsverträge im Handwerk trotz demografischen Wandels

Was machen die Politik bzw. die Behörden jetzt konkret?

  • Forderung nach politischem Bekenntnis zur Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung
  • Notwendigkeit eines Qualifikationsrahmengesetzes und höhere Investitionen in Bildungsstätten des Handwerks
  • Kritik an Ausbildungsplatzumlagen und zusätzliche Belastungen für Unternehmen, die nicht ausbilden können
Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH
Letzte Artikel von Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH (Alle anzeigen)