EU-Parlament beschließt Prüfung von Mercosur-Abkommen durch EuGH

21. Januar 2026

Vermischtes - aktuelle Fakten und Einordnung

Politik: EU-Parlament entscheidet über Freihandelsabkommen

Straßburg () – Das Europäische Parlament hat am Mittwoch beschlossen, das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen durch den Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) überprüfen zu lassen. Für die entsprechende Resolution stimmten 334 Abgeordnete, 324 waren dagegen. Es gab elf Enthaltungen.

Der Vorsitzende des Handelsausschusses des EU-Parlaments, Bernd Lange (SPD), kritisierte den Beschluss als „absolut unverantwortlich“ und als „Eigentor“. Die Gegner des Abkommens mit dem südamerikanischen Mercosur-Staatenbund sollten seiner Ansicht nach dagegen stimmen, anstatt „unter dem Deckmantel einer rechtlichen Überprüfung Verzögerungstaktiken anzuwenden“, schrieb Lange auf der Plattform X. Der Beschluss sei „sehr schädlich für unsere wirtschaftlichen Interessen und unser Ansehen“, erklärte er. „Team Europe begibt sich selbst ins Abseits.“

Der Grünen-Europaabgeordnete Erik Marquardt geht davon aus, dass das Abkommen dennoch vorläufig angewendet werden kann. Es sei gut, dass man nun Sicherheit darüber bekomme, ob das Abkommen in allen Teilen mit EU-Primärrecht vereinbar ist, schrieb er auf der Plattform Bluesky.

Der Partei- und Fraktionschef der EVP, Manfred Weber, forderte die EU-Kommission auf, das Abkommen vorläufig in Kraft zu setzen. „In der aktuellen geopolitischen Lage kann sich Europa keine Hängepartie leisten. Das Abkommen muss nun vorläufig zur Anwendung kommen, damit dessen Vorteile für unsere Wirtschaft zur Geltung kommen“, sagte Weber dem „Redaktionsnetzwerk “ (Donnerstagausgabe). Das Europäische Parlament werde nach der Prüfung durch den EuGH das letzte Wort haben. „Das Europäische Parlament hat sich heute nicht inhaltlich zu Mercosur positioniert, sondern über einen Verfahrensantrag abgestimmt.“ Das sei der Versuch, ein „dringend benötigtes Abkommen aus ideologischen Gründen zu verzögern“, kritisierte der EVP-Chef.

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Das Abkommen sieht unter anderem Zollsenkungen vor und eröffnet den Zugang zu neuen Märkten für eine breite Palette von Waren und Dienstleistungen. Wichtige Sektoren wie Landwirtschaft, Automobilindustrie, Pharmazie und Chemie sollen nach Darstellung der EU „von verbesserten Handelsbedingungen profitieren“. Darüber hinaus enthält das Mercosur-Abkommen Bestimmungen zur Investitionsförderung und zum Abbau von Handelshemmnissen im grenzüberschreitenden Dienstleistungshandel, insbesondere im Bereich digitaler und finanzieller Dienstleistungen.

Das Freihandelsabkommen steht insbesondere bei Landwirten und Umweltschützern in der Kritik. Bauern protestierten zuletzt in und anderen Mitgliedsländern, weil sie fürchten, dass der europäische Markt mit billigeren Lebensmitteln, die unter geringeren Gesundheitsstandards hergestellt würden, geflutet werden könne. Umweltverbände kritisieren, dass das Abkommen die Rodung des Regenwaldes beschleunigen könnte und damit die Erderhitzung weiter befeuert werde.

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: EU-Parlament in Straßburg (Archiv)

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Welche neuen Fakten, Entscheidungen oder Änderungen nennt der Artikel?

  • EU-Parlament hat beschlossen, das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen vom EuGH überprüfen zu lassen.
  • 334 Abgeordnete stimmten für die Resolution, 324 dagegen, mit elf Enthaltungen.
  • Manfred Weber fordert die vorläufige Inkraftsetzung des Abkommens durch die EU-Kommission.

Wen betrifft es und wie stark (Zielgruppen, Regionen, Zahlen, Fristen)?

  • Zielgruppen: Landwirte, Umweltschützer, Unternehmen in Landwirtschaft, Automobilindustrie, Pharmazie, Chemie
  • Regionen: EU-Staaten, Mercosur-Staaten (Südamerika)
  • Zahlen/Fristen: 334 Stimmen dafür, 324 dagegen, 11 Enthaltungen; vorläufige Anwendung des Abkommens angestrebt

Welche Gründe, Ursachen, Hintergründe oder Auslöser werden genannt?

  • EU-Mercosur-Freihandelsabkommen soll rechtlich überprüft werden, um Vereinbarkeit mit EU-Recht zu klären.
  • Kritiker befürchten negative Auswirkungen auf europäische Landwirte und Umwelt durch geringere Standards.
  • Geopolitische Lage und wirtschaftliche Vorteile stehen im Konflikt mit ideologischen Bedenken der Abgeordneten.

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  • EVP-Chef fordert vorläufige Inkraftsetzung des Abkommens durch die EU-Kommission
  • Abkommen enthält Zollsenkungen und Verbesserungen beim Zugang zu neuen Märkten
Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH
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