Ex-Außenminister Fischer erwartet US-Rückzug aus Europa
Politik - aktuelle Fakten und Einordnung
Europas Zukunft und Deutschlands Rolle im Wandel
Berlin () – Der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne) ist überzeugt, dass sich Europa künftig nicht mehr auf den Schutz der USA wird verlassen können.
„Amerika wird sich aus Europa zurückziehen. Das wird einen fundamentalen Bruch mit der traditionellen Ordnung bedeuten und Deutschland in eine völlig neue Rolle bringen – eine Rolle, die wir nicht gewohnt sind“, sagte der Grünen-Politiker dem Fernsehsender Phoenix. Alle Anzeichen wiesen darauf hin, dass Europa sein Schicksal militärisch selbst in die Hand nehmen müsse.
„Wenn ich Donald Trump richtig lese, dann hat er innerlich mit der Nato bereits gebrochen. Darauf ist kein Verlass mehr“, so Fischer. Diese wie auch andere Entwicklungen habe man nicht zwingend vorausahnen können. „Hinzu kamen aber individuelle Fehler. Man war der Meinung, alles ist gut. Jetzt stellt man fest: wenig ist gut“, kritisierte der Außenminister der früheren rot-grünen Koalition.
Innenpolitisch stehe die deutsche Politik vor gewaltigen Aufgaben, nicht nur im militärischen Bereich, sondern auch bei der Finanzierung des Sozialstaats, der Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und bei der Digitalisierung. „Es ist ein ganzes Bouquet von Herausforderungen, vor denen Deutschland steht. Wir müssen das energisch anpacken“, so Fischer. Er habe Kanzler Merz mehr Erfolg gewünscht, als der aktuell habe – „im Interesse des Landes“. In den nächsten Jahren werde sich zeigen, ob Deutschland den europäischen Weg beibehalte, oder die nationale Karte spiele, wie dies die AfD wolle. „Das hielte ich für eine Katastrophe. Und das würde alles infrage stellen, was die Bundesrepublik seit 1949 erreicht hat“, sagte Fischer.
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Joschka Fischer (Archiv) |
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