Lob und Kritik für Streecks Vorstoß zu Medikamenten für Hochbetagte

13. November 2025

Politik - aktuelle Fakten und Einordnung

Gesellschaftliche Debatte über Medikamente für Ältere

() – Die Überlegungen des CDU-Gesundheitspolitikers und Suchtbeauftragten Hendrik Streeck zur Vergabe besonders teurer Medikamente an Hochbetagte sind auf Lob und Kritik gestoßen.

Der Vorsitzende der Linksfraktion, Sören Pellmann, sprach von einem Angriff auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Er sagte der „Rheinischen Post“ (Freitagsausgabe): „Solche Gedankenspiele von einem CDU-Gesundheitspolitiker sind nur noch beschämend. Diese Debatte zu eröffnen, sägt weiter am gesellschaftlichen Zusammenhalt. Streeck muss seinen Vorstoß mal ausbuchstabieren: Ab welchem Alter soll denn ein Leben aus seiner Sicht nicht mehr schützenswert sein – ab 85, 90, 95?“

Pellmann kritisierte, dass arme Menschen im Schnitt ohnehin deutlich früher als wohlhabende Menschen sterben. „Und jetzt sollen ihnen auch noch lebensverlängernde Therapien verweigert werden?“, so der Fraktionsvorsitzende. Aus seiner Sicht wäre es sinnvoller, „die Preise neuer Arzneimittel zu begrenzen, die in den vergangenen Jahren weiter explodiert sind“. Pellmann bemängelte: „Die Pharmaindustrie darf weiter unbehelligt Riesenrenditen einfahren und wird – auf Betreiben der Union – beim aktuellen Sparpaket nicht zur Stabilisierung der GKV herangezogen.“

Streeck hatte zuvor die Frage aufgeworfen, ob man sehr alten Menschen noch besonders teure Medikamente verordnen sollte. Es brauche in der medizinischen Selbstverwaltung „klarere und verbindliche Leitlinien, dass bestimmte Medikamente auch nicht immer ausprobiert werden sollten – es gibt einfach Phasen im Leben, wo man bestimmte Medikamente auch nicht mehr einfach so benutzen sollte“, sagte er dem TV-Sender „Welt“.

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Die Bundesärztekammer begrüßte die vom Drogenbeauftragten angestoßene Debatte. Therapieentscheidungen bei hochbetagten oder sterbenskranken Patienten erforderten besondere ärztliche Verantwortung, sagte Präsident Klaus Reinhardt dem „Tagesspiegel“. „Wir müssen uns als Gesellschaft und Ärzteschaft immer wieder damit auseinandersetzen, was in der letzten Lebensphase medizinisch sinnvoll und zugleich menschlich angemessen ist. Dabei dürfen ärztliche Therapieentscheidungen nicht vom Alter oder vom wirtschaftlichen Aufwand abhängen, sondern vom individuellen Patientenwillen, der Prognose und der Lebensqualität.“

In einem überregulierten Gesundheitssystem werde es Ärzten immer schwerer gemacht, partizipative, individuelle Entscheidungen gemeinsam mit ihren Patienten zu treffen, sagte Reinhardt weiter. Wenn am Ende eine Übertherapie stehe, sei das zum Nachteil der betroffenen Patienten wie auch des gesamten Gesundheitssystems.

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Tabletten (Archiv)

Vier Bürgerfragen. Klare Antworten.

Welche neuen Fakten, Entscheidungen oder Änderungen nennt der Artikel?

  • Diskussion über Vergabe teurer Medikamente an Hochbetagte von Hendrik Streeck angestoßen
  • Sören Pellmann kritisiert Streecks Vorschläge als Angriff auf gesellschaftlichen Zusammenhalt
  • Bundesärztekammer fordert individuelle Therapieentscheidungen unabhängig von Alter und Kosten

Wen betrifft es und wie stark (Zielgruppen, Regionen, Zahlen, Fristen)?

  • Betroffen: hochbetagte Menschen, insbesondere ab 85 Jahren
  • Region: Deutschland
  • Diskussion zeitlich aktuell, ohne spezifische Fristen oder Zahlen

Welche Gründe, Ursachen, Hintergründe oder Auslöser werden genannt?

  • Streeck fordert Diskussion über Kosten von Medikamenten für Hochbetagte
  • Kritik an ungleichem Zugang zu lebensverlängernden Therapien für arme vs. wohlhabende Menschen
  • Bundesärztekammer betont die Bedeutung individueller Therapieentscheidungen und Lebensqualität

Was machen die Politik bzw. die Behörden jetzt konkret?

  • Diskussion über die Vergabe teurer Medikamente an Hochbetagte anstoßen
  • Forderung nach klaren, verbindlichen Leitlinien für medizinische Entscheidungen bei älteren Patienten
  • Kritik an der Pharmaindustrie bezüglich steigender Arzneipreise und deren Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung
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